Was ist Hypnose?

Menschen, die mit Hypnose arbeiten, möchten gerne alles, was irgendwie mit einem veränderten Bewusstseinszustand zu tun hat, als Hypnose bezeichnen. Das ist ein politisches Spiel, das von der Etymologie widerlegt wird.

Ob es gefällt oder nicht, bedeutet das griechische Wort hýpnos (ὕπνος) nun einmal „Schlaf“! Wenn eine Person (oder eher ihr bewusstes Ich) nicht mehr oder wenig eingeschläfert ist, kann man definitionsgemäß nicht von Hypnose reden …

In meinem Buch über Rückführungstherapie habe ich, um besser zu differenzieren, das Wort Agrypnose eingeführt, das von wenigen aufgegriffen wurde. Es ist vom griechischen Wort ágrypnos (ἄγρυπνος) abgeleitet, das „Wachzustand, Schlaflosigkeit“ bedeutet. Ist die Person mehr oder weniger wach, wenn auch in einem sonst irgendwie veränderten Bewusstsein, wäre dass die richtigere Bezeichnung.

Wenn man in irgendeiner Art von Session schläft, bedeutet das, dass das rationale Bewusstsein zumindest teilweise eingeschläfert ist, sodass es nicht wirklich ein aufgetretenes Erlebnis miterlebt, das die Person in diesem Zustand hat. Typischerweise wird die Person nach dem Aufwachen das Erlebnis zumindest in großen Teilen vergessen haben. Das kann freilich durch eine posthypnotische Suggestion vorgebeugt werden: „Wenn du wieder wach bist, kannst du dich an alles erinnern!“ Tut man das nicht, kann es zur sogenannten posthypnotischen Amnesie kommen. Das Erlebnis wird nicht automatisch mit dem rationellen Ich integriert.

In einem „agrypnotischen“ Zustand nimmt das rationale Ich am Erlebnis Teil und erinnert sich nachher daran. Das Erlebnis wird automatisch mit dem heutigen rationalen Ich integriert. Das halte ich für wichtig bei einer therapeutischen Anwendung. Es gibt nicht so etwas wie eine „postagrypnotische Amnesie.“

In einem tiefhypnotischen Zustand ist die heutige Person voll und ganz die Person von damals und sie weiß nicht von Dingen, die es damals nicht gab. Wenn es damals keine Autos gab und ich frage nach einem Auto, wird sie erstaunt fragen: „Was ist das?“ In einem agrypnotischen Zustand würde sie sagen: „Damals gab es keine Autos.“ Was therapeutische Wirkungen betrifft, werden diese eher durch posthypnotische Suggestionen erreicht. Hingegen braucht es keine „postagrypnotische Suggestion“. Außerdem ist die Person in einem agrypnotischen Zustand nicht gut suggerierbar.

Ein seltenes Phänomen ist die Xenoglossie, das Sprechen einer Sprache, die man heute nicht kann (aber in einem früheren Leben konnte). So etwas kommt nur in einem tiefhypnotischen Zustand vor und nicht in einem agrypnotischen. Beim Letzteren weiß die Person den Inhalt oder die Bedeutung vom Gesprochenen oder Geschriebenen, kann es aber nicht in der damaligen Sprache wiedergeben. Sie sagt es in der heutigen Sprache.

Zugegebenerweise gibt es keine scharfe Grenze zwischen Agrypnose und Hypnose. Ein Zustand kann mehr oder weniger hypnotisch sein und sich z.B. darin äußern, dass man sich nachher nicht gut an alles erinnert und eine gewisse Zeit braucht, um Begriffe zu verstehen, die früher unbekannt waren. Findet das Erlebnis in einem agrypnotischen Zustand statt, wird die Person nachher oft einiges erzählen können, dass sie während des Erlebnisses nicht erzählte.