Mehr über die Reinkarnationslehre

von Jan Erik Sigdell

Referat bei der Podiumsdiskussion in Zürich am 9.2.2009 in der Predigerkirche, 2. Teil

 

ORIGENES

Es wurde immer wieder behauptet und man hat versucht nachzuweisen, dass Origenes nie die Reinkarnation gelehrt, sondern sie widersprochen habe. Jedoch befindet sich die Theologie hier in Beweisnot, da die letzten noch gebliebenen seiner Originalschriften von der Kirche unter dem grausamen Kaiser Justinianus im 6. Jahrhundert verbrannt wurden. Übrig blieben nur lateinische Übersetzungen von Hieronymus und vor allem Rufinus. Es ist klar erwiesen worden, dass diese Übersetzungen manipuliert sind, was die Übersetzer sogar in ihren Vorworten zugeben. Man hat den Inhalt dem Dogma der Kirche angepasst und entsprechend abgeändert, und dabei ganz offensichtlich Hinweise auf die Reinkarnation, sofern es solche gab, entfernt oder geändert. Das Fehlen solcher Angaben in den Übersetzungen beweist also nichts.

 

Unbestritten ist jedoch, dass Origenes die Vorexistenz der Seele vor der Geburt lehrte. Er hat, wie auch andere Gnostiker, gesagt, dass wir gefallene Engel und ursprünglich Lichtwesen in der göttlichen Welt seien. Wir wollten da heraus, um Erfahrungen zu haben, die man dort nicht haben kann, wobei es offensichtlich vor allem um das ungehinderte Ausleben des freien Willens ging, sogar ohne Rücksicht auf andere. Deshalb wurden wir zu Seelen, die »in Körper versetzt wurden, wie in Gefängnisse«. Was geschieht dann, wenn ein Mensch stirbt? Origenes gab nur zwei Alternative an: War der Mensch schlecht genug, fällt er auf die Ebene von Dämonen und Widersachern, aber nicht in ewiger Verdammnis, sondern nur so lange wie für Einsicht und Umkehr notwendig; war er aber gut genug, steigt er eine Stufe höher in die unterste Ebene einer Engelhierarchie, wo er wieder ganz Seele ist und keinen physischen Leib mehr braucht, um dann wie auf einer Jakobsleiter durch weitere Ebenen zur göttlichen Welt zurückzukehren. Hier fällt eine dritte Alternative durch ihre Abwesenheit deutlich auf! Was ist mit denjenigen, die weder schlecht genug zum Tiefer-Fallen sind, noch gut genug um eine Stufe höher zu steigen? Also mit den meisten von uns? Man weiß, dass Origenes hier eine größere Abhandlung über die Seele hatte, die verloren gegangen ist, und darin wird er die Antwort gegeben haben. Die einzige hier vorstellbare Antwort ist: Man wird wieder Mensch! Reinkarnation! Es bleibt ja keine andere Antwort übrig! Es wird darum sein, dass die Kirche diese Schrift zerstört hat …

 

Dem Origenes wurde auch schon von zeitgenössischen Kritikern vorgeworfen, die Lehre von der körperlichen Wiedergeburt zu vertreten. Und sie kannten ja seine Originalschriften.

 

SIND KÖRPER UND SEELE UNTRENNBAR?

Dies ist eine in den kirchlichen Dogmen verbreitete Lehre. Sie hat keine Begründung in der Bibel, sondern wurde im Wesentlichen vom vorchristlichen griechischen Philosophen Aristoteles übernommen. Ein näheres Studium seiner Abhandlung über die Seele zeigt aber, dass er nur lehrte, dass der Körper nicht ohne Seele sein kann, da er sonst tot ist, aber nicht, dass die Seele nicht ohne Körper sein kann. Die kirchliche Lehre hat aber diese Auffassung in abgewandelter Form übernommen, weshalb sie behauptet, dass die Seele nach dem Tod in einer Art von Limbozustand, Seelenschlaf genannt, bleiben müsse, bis ein Engel ins Horn stößt und die Seele ihren Körper wieder hergestellt bekommt. Man kann wohl nicht anders sagen, als dass diese Vorstellung etwas naiv anmutet … Und warum überhaupt einen physischen Körper? Warum soll derjenige, der in der Auferstehung erlöst ist, immer noch den schweren physischen Leib wie einen Klumpfuß mit sich schleppen müssen, wenn doch die Engel keine haben und nicht einmal die Teufel?

 

Es gibt in der Theologie auch Lehren von »Ganztod«, wonach auch die Seele sterben und diese in der Auferstehung ebenfalls wiederhergestellt würde, und auch eine Vorstellung, wonach die Seele durch Raum und Zeit zur Auferstehung gewissermaßen »gebeamt« würde, ähnlich wie in den Filmen über Starship Enterprise …

 

MASSENHAFTE ERFAHRUNGEN ZEIGEN ETWAS ANDERES!
Heute verfügen wir über schätzungsweise Hunderttausende von Berichten von Menschen, die klinisch tot waren und sich als Seelen außerhalb des Körpers erlebten. Sie kamen zwar zurück, weil der Körper wiederbelebt wurde – manche sehr ungern – aber es wird wohl offensichtlich sein, dass das Gleiche beim wirklichen Sterben geschieht, nur dass in dem Fall die Seele nicht in den ehemaligen Körper zurückkehrt. Leider passen aber solche Erlebnisse nicht ins wissenschaftliche Weltbild und das wissenschaftliche Vorurteil widmet sich zum Teil sonderbaren Formen von Gedankengymnastik, um andere, für sie »natürliche« Erklärungen zu finden. Um einen Seelenaustritt kann es sich nach »wissenschaftlicher« Meinung nicht handeln, denn was nicht sein darf, gibt es einfach nicht, nämlich eine körperunabhängige Seele.

 

Auch die kirchliche Theologie hat große Mühe mit solchen Berichten, da sie auch für sie nicht ins aufoktroyierte Weltbild passen, und befassen sich lieber nicht damit. Es ist aber Forschern wie Elisabeth Kübler-Ross und Raymond Moody zu verdanken, dass solche Berichte gesammelt und ausgewertet wurden, trotz Bemühungen, sie der modernen Form des Scheiterhaufens preiszugeben, nämlich das Lächerlichmachen.

 

Hier fällt etwas stark auf: die Reproduzierbarkeit! Solche Erlebnisse sind größtenteils auffallend ähnlich! Menschen erleben mehr oder weniger das Gleiche dabei! In der Wissenschaft gilt Reproduzierbarkeit als ein Indiz dafür, dass etwas wahrscheinlich wahr ist (solange die Wahrheit noch nicht sogar erwiesen oder ggf. widerlegt ist). Nur nicht in diesem Fall! Hier wird die Reproduzierbarkeit nämlich gar nicht beachtet …

 

Menschen erleben sich dabei eben als Seelen außerhalb des Körpers, die denken, beobachten und mit ihrer Seelensubstanz handeln. Sie nehmen telepathisch auf, was Menschen sagen und denken. Wenn sie dann im Körper zurück sind, erinnern sie sich zum Teil gut, manchmal eher bruchstückhaft, an das Erlebnis. Das Gleiche wird natürlich noch viel mehr vorübergehend klinisch Toten geschehen sein, aber sie erinnern sich nicht mehr.

 

Sie nehmen auch immaterielle Gestalten und Existenzebenen wahr. Sie begegnen Lichtgestalten und manchmal Seelen von Verstorbenen, die ihnen nahe standen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass es einem dabei klar wird, schon vorher gelebt zu haben und etwa drei Viertel der Menschen, die solche Erlebnisse hatten, glauben an die Reinkarnation! Einer der bekanntesten Fälle ist der von Stefan von Jankovich.

 

Somit ist die Existenz einer an sich körperunabhängigen Seele mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit weitgehend durch Erfahrungsindizien belegt.

 

IST DER REINKARNATIONSGLAUBE EHER ATHEISTISCH?

Manche will die Reinkarnationslehre als eher atheistisch abwerten, aber sie haben wohl nicht weit genug gedacht und sich die Frage gestellt, woher dann die Seelen kämen? Diese Frage führt doch zu einem Schöpfer der Seelen hin, also zu Gott! Denn sie werden ja nicht irgendwie von selbst entstanden sein …

 

IST DIE REINKARNATION EIN WEG ZUR SELBSTERLÖSUNG?

Ein anderer Abwertungsversuch geht dahin, die Reinkarnation als ein Weg zur Selbsterlösung darzustellen. Diese Idee ist ziemlich neu und geht auf eine Äußerung von Blavatsky zurück, aber die uralten Reinkarnationslehren kennen so etwas nicht. Aber: Erlösung von was? Vom Irdischen? Von Gott? Es kann nach den traditionellen Lehren nur vom irdisch Materiellen sein, und wenn die Reinkarnation dazu führt, kann der Weg nur gottgegeben sein. Sonst gäbe es dadurch keine Erlösung.

 

EWIGES REINKARNIEREN?`
Ein anderer Versuch, die Sache ad absurdum zu führen, ist die Behauptung eines unendlichen Reinkarnierens. Keine Reinkarnationslehre behauptet so etwas, sondern irgendwann geht man nach einer letzten Inkarnation in die endgültige Auferstehung. Es handelt sich also um eine schrittweise Auferstehung, auf dessen Weg niemand verloren geht. Jeder kommt dorthin, manche aber nach sehr vielen Inkarnationen.

 

ÜBER DIE LIEBE

Der seelische Entwicklungsweg durch Reinkarnation und Karma ist als eine Seelenschule für ihre Entwicklung durch die Erfahrung und das Lernen aus Lektionen zu verstehen. Karma hat nichts mit Strafe zu tun, sondern mit Lektionen, wie es ja die Bibel vielfach in unterschiedlichen Formulierungen sagt: Was du anderen tust, wird auch dir getan werden, und was du anderen zu tun unterlässt, kannst du für dich selbst nicht erwarten. Der Täter kann damit rechnen, in einem neuen Leben in einer ähnlichen Situation auf der Opferseite zu sein. Daraus lernt er, wie falsch sein Handeln war und nicht mehr so zu tun. Man wendet dann ein: Wies soll er das lernen können, wenn er als Opfer von seiner früheren Tat nichts weiß? Der Einwand stammt aus dem Mittelalter. Damals wusste man noch nichts vom unbewussten Ich. Heute wissen wir es besser. Das unbewusste Ich, also eigentlich die Seele, weiß den Zusammenhang sehr gut, nur der materielle Verstand im Kopf nicht. Nach dem Tot wird uns dann alles klar.

 

Was wir hierdurch lernen, ist das Wichtigste von dem, was uns Jesus gelehrt hat: die Liebe! Dass wir alle Geschwister in der Schöpfung sind und niemand weniger wert ist, auch wenn er auf einer anderen Stufe seiner Entwicklung steht.

 

Die Liebe hat drei Naturgesetze:

1. Sie ist nur so viel wert, wie sie gezeigt wird. Sonst wissen ja Menschen nicht, dass sie geliebt sind.

2. Es muss zwischen Menschen ein Austausch von »Liebesenergie« geben. Ist die Liebe einseitig, bekommt sie keine Nahrung und sie wird kaum überleben.

3. Deshalb hat die Liebe ihre eigene Ökonomie: Man bekommt auf die Dauer nur so viel Liebe, wie man auch gibt!

 

Darum stehen wir nach dem Tod vor einer Frage, die dann eher in uns von selbst aufsteigt, als dass sie uns gestellt wird: »Wieviel Liebe hast du gelebt, und wo hast du in der Liebe versagt?« Dort, wo wir versagten, entstand Karma …

 

Wer nicht fühlt, kann keine Liebe zeigen.

                Wer keine Liebe zeigt, kann nicht Liebe geben.

                                Wer keine Liebe gibt, kann nicht geliebt werden.