Kann eine Rückführung belasten?

 

Eine Person, die mit Klienten innere Reisen vornimmt, behauptet, dass Rückführungstherapie traumatisieren könne, wenn der Klient sich in einem früheren Leben als z.B. Mörder erleben würde, erst recht wenn es sich zeigen sollte, dass z.B. seine heutigen Kinder damals zu den Opfern gehörten.

 

Solche Äußerungen basieren auf Unwissenheit, auf eine bedauernswerte Unkenntnis der

großen Befreiung, die in solchen Fällen erreicht wird, wenn man die alten unbewussten Schuldgefühle auflöst und sich mit sich selbst und den Opfern innerlich versöhnt,

sofern die Letzteren heute in der Umwelt wieder inkarniert sind. Wenn zum Auflösen die zusätzliche innerliche Versöhnung dazu kommt, ist es unheimlich befreiend!

 

Leider verstehen manche Rückführende dies nicht, und nur dann kann es den Klienten belasten. Es belastet neu, wenn diese Schuldgefühle bewusst aber nicht aufgelöst werden. Ein großer Fehler! Es belastet nach wie vor, wenn diese Schuldgefühle im unbewussten Ich weiterhin verborgen – verdrängt – bleiben und weiter durchs Leben getragen werden, und somit immer noch Probleme verursachen. Was wir verdrängen, behalten wir, nur versteckt, und wir sind keineswegs davon frei!

 

Jene Person übt scheinbar eine besondere Form der „Therapie“ aus:

Wenn – zum Beispiel – der Vater den Klienten in der Kindheit übel behandelte, lässt diese Person angeblich (wie man mir berichtet hat) den Klienten im inneren Erlebnis den Vater mit einem Stock o.ä. totschlagen! Dieser Vater wird dann im inneren Bild mit einem „besseren“ Vater ersetzt.

 

Ich halte es keineswegs für eine Therapie, den Klienten innerlich zum Täter, zum Vatermörder, zu machen und das Bild des Vaters mit einem Trugbild zu ersetzen. Viel mehr sieht das wie ein leider vorkommender Missbrauch von Rescripting bzw. Reframing aus. Mit solchen Methoden verdrängt man nur noch tiefer die Ursache des Problems und überdeckt es mit einer Lebenslüge: „Die schlimme Sache hat es nie gegeben, das war nur ein Missverständnis“ ... und doch weiß man ganz tief in sich, dass es wirklich so schlimm war. Dieses Wissen ist nur noch mehr versteckt, aber es ist noch da, und eines Tages bricht die Auswirkung davon aus und das Problem kommt wieder, möglicherweise noch schlimmer. Im Beispiel mit dem Vater kann allzu leicht ein unbewusstes (wenn auch in diesem Fall irrtümliches) Schuldgefühl entstehen, ihn „umgebracht“ zu haben. Man trägt tief in sich verborgen seine „Leiche“ mit sich durchs Leben und hat es nur mit einem Trugbild von einem „guten“ Vater überdeckt, den es so nie gab. Wieder eine Lebenslüge. Irgendwann bricht doch die Wahrheit aus dem unbewussten Ich heraus ... die „Leiche im Keller“ wird vom Leben aufgedeckt und die Wahrheit darüber, wie der Vater wirklich war, drängt hervor.

 

Das m.E. richtige Vorgehen beim Beispiel mit dem üblen Vater wäre im im Prinzip (in individuellen Fällen manchmal auch mit anderen Elementen) wie folgt. 1. Die karmische Ursache erleben, die zu dieser Erfahrung in der heutigen Kindheit führte. Zum Beispiel war der Klient früher einmal ein ebensolcher Vater. Schuldgefühle dafür auflösen (das geht meistens; es ist nur selten so, dass man sie heute noch haben soll, weil die Geschichte noch nicht abgeschlossen ist). 2. Herausfinden, ob man auch in einem früheren Leben mit der Seele zusammen war, die heute der Vater ist. Zum Beispiel war er ein Kind, das man sogar noch schlechter behandelt hat. 3. Aus der Einsicht der Zusammenhänge heraus dem Vater verzeihen (das geht immer, wenn die Einsicht vollständig genug ist). Im inneren Bild von ihm wegen des Lebens, wo er das Kind war, verziehen werden. 4. Schließlich sich selbst verzeihen.

 

Die Beispiele im letzten Abschnitt sind eben nur Beispiele. Es kann auch ganz anders gewesen sein, in individuellen Fällen sehr unterschiedlich. Sollte man – wieder nur zum Beispiel – einmal den Vater umgebracht hat, kann es ja keinesfalls wirklich (sondern nur scheinbar!) besser werden, wenn man ihn im inneren Bild noch einmal umbringt!!!