Sprachlicher Kommentar

 

Neben einer Menge von Tipp- und Flüchtigkeitsfehlern, die man trotz wiederholtem Durchlesen immer noch allzu leicht übersieht, gibt es hier in den deutschsprachigen Texten naturgemäß eine ganze Menge von Fehlern, da meine Muttersprache Schwedisch ist. Nun habe ich angefangen, die Texte mit einem sehr hilfreichen Programm durchzuarbeiten: Duden Korrektor. Die Rechtschreibprüfung von Microsoft lässt viel zu wünschen übrig, und sie prüft v.a. Grammatik und Kommatierung ziemlich unzulänglich. Das tut der Duden viel besser! (Aber er gibt manchmal unglaublich verkehrte Verbesserungsvorschläge, schlimmer als Microsofts Rechtschreibprüfung. Damit muss man halt leben ...)

 

Zuerst hatte ich eine viel frühere Version vom Duden Korrektor in einer Demoversion ausprobiert. Doch leider kam diese in Konflikt mit Microsofts Rechtschreibprüfung für andere Sprachen, weshalb ich die Demoversion deinstallieren und auf diese Hilfe verzichten musste. Nun habe ich aber entdeckt, dass Version 5 (und aufwärts) von diesem guten Programm problemlos mit Microsofts Prüfungen für andere Sprachen zusammenarbeitet, und deshalb das Programm gekauft.

 

Es braucht natürlich eine ganze Menge Zeit, um alle alten Texte damit durchzuarbeiten, aber die neuen werden gleich damit geprüft. Damit wird auch alles nach der „neuen Rechtschreibung“ berichtigt.

 

Somit bitte ich um Übersehen mit den noch nicht ausgemerzten Fehlern. Jedoch kann auch der Duden diese nicht zu 100 % finden. Aber vielleicht fast ...

 

Zu dieser „neuen Rechtschreibung“ möchte ich mir aber ein paar Kommentare erlauben. Wieso hat man nicht endlich die Großschreibung von Substantiva ausgemerzt? Das haben ja die Dänen und Holländer vor mehr als einem halben Jahrhundert fertiggebracht, sodass heute Deutsch die einzige Sprache in der Welt ist, die dieses muffige alte Relikt beibehält. Und wieso hat man nicht das sog. „lange s“, ß, beseitigt? Das taten doch – auch vor mehr als einem halben Jahrhundert – die Schweizer erfolgreich und problemlos! Damit ist für mich die „neue Rechtschreibung“ wirklich eine „halbe Sache“. So viel Theater um eine unzulängliche und darum eigentlich unnötige Reform … „Much ado about nothing“, wie Shakespeare schrieb ...

 

Warum, übrigens, nennen viele das Schriftzeichen ß „sz“. Andere sagen „langes s“, aber richtig wäre „Doppel-s“. Es ist ja nicht etwa aus „s+z“ entstanden, sondern aus* „⌠+s“. In alten Zeiten gab es ein wirkliches „langes“ s, dass wie ein f ohne Strich aussah, und dann ein „kurzes“ s, eben unser heutiges s (das wohl eher dem Finalsigma ς im Griechischen entspricht). Im Buchdruck und oft auch in Handschriften verwendete man meistens die Ligatur (die Zusammenschreibung) beider Buchstaben, was über ⌠s zu ß führte: „gros“ → „groß“. Also gehört doch eigentlich ß zum Mittelalter! Keine andere Sprache der Welt hat noch dieses altmodische Schriftzeichen. Stoßstange, Stoss-Stange oder Stossstange hin oder her ... Und warum eigentlich nicht Stosstange? Es käme wohl niemand auf die Idee, Stosstange als etwa Stoss-Tange aufzufassen ... Im Schwedischen (meine Muttersprache) werden bei zusammengesetzten Wörtern nie drei Konsonanten hintereinander geschrieben – sondern einer fällt weg, wenn es sein muss – und alle verstehen es doch.

* In manchen Betriebssystemen mag das hier dargestellte lange s durch ein anderes Zeichen ersetzt werden oder wegfallen. In neueren Windows-Versionen mit dem Schriftsatz Times New Roman installiert sollte es aber richtig erscheinen. Wie es in Apple und Linux ausseiht, weiß ich nicht ...

 

Für die Schwedischkundigen: Es gibt allerdings scherzhaft konstruierte Ausnahmen bei Vokalen, z.B. „råååål“ – ål som har fångats i ån som rinner genom Råå.

 

(Interessanterweise wird im Ungarischen sz als s ausgesprochen und s als sch. Hat möglicherweise die Benennung sz damit zu tun, von der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie her?)

 

Vernünftigerweise behält sich die Schweiz zum Glück vor, einige wenige nationale Formen der Rechtschreibung bei:

• Die Eindeutschung von Fremdwörtern ist stark eingeschränkt: Fremdwörter, die aus dem Französischen oder Italienischen – also aus einer der Landessprachen – stammen, werden in ihrer ursprünglichen Schreibung belassen; die neue reformierte Schreibung gilt stets als Nebenvariante.

 Nach wie vor wird in der Schweiz nicht ß, sondern nur ss verwendet.

• Wörter, die in der Schweiz schon immer anders geschrieben wurden (z.B. schweizerisch Müesli, deutsch Müsli), sind von der Rechtschreibreform nicht betroffen.

 

Damit nichts Negatives über die gute deutsche Sprache gesagt! Es geht hier nur um diese Reform, die auch viele andere so, wie sie geraten ist, für überflüssig halten, oder besser: wirklich für eine halbe Sache, ein schlechter Kompromiss. Die Frankfurter Allgemeine wollte sie ja bezeichnenderweise erst gar nicht annehmen ...

 

Dass ß manchmal als Ersatz für den griechischen Buchstaben β (beta) verwendet wird, ist eine völlig andere Sache. Außer einer rein äußerlichen Ähnlichkeit, haben die Ligatur (nicht der Buchstabe!) ß und der Buchstabe β gar nichts miteinander zu tun. Die wirkliche Ähnlichkeit besteht statt dessen zwischen β und B (und so sieht auch der großgeschriebene β aus; bei unserem b ist sozusagen der obere Bogen weggefallen).

 

Es ist natürlich auch ein Unsinn, zwei gleich ausgesprochene Konsonanten beibehalten zu haben: F und V. Nur in Deutsch, Niederländisch und Alemannisch (s.u.) werden diese zwei gleich ausgesprochen. In allen anderen Sprachen spricht man V wie W aus. Es wäre also wirklich logisch, V durch F zu ersetzen, außer in einigen Fremdwörtern und ausländischen Namen und Begriffen, wo die richtige Aussprache ohnehin W ist. Dann könnte man, auch sinnvollerweise, W durch V ersetzen und nur, wiederum, in Fremdwörter etc. W behalten, wo dieser Buchstabe anders auszusprechen ist (z.B. in Englisch – oder zur Vermeidung von Verfremdung des Schriftbildes in Polnisch, wo man, wiederum logischerweise, dafür kein V hat!). Damit entständen zwar Homonyme wie „fiel“ (von „fallen“) und „fiel“ (bisher „viel“), aber diese Homonyme gibt es ja akustisch schon fast ewig lange, also in der gesprochenen Sprache, so das würde sicher gar nichts mehr ausmachen. Es ist ja wirklich sehr unwahrscheinlich, dass dadurch Missverständnisse entstehen würden.

 

Aber damit müssen wir also noch leben … Ich habe persönlich das Gefühl, dass es hier ein bisschen wie mit dem Wald und den Bäumen ist. Wer sprachlich außerhalb steht, sieht in gewisser Hinsicht (und gar nicht in allen!) den Wald besser, erst recht, wenn er mehrere andre Sprachen spricht und deshalb vergleichen kann. (Dass er deshalb in einigen Sprachen Fehler macht, ist es ihm wert, weil ihm dafür viele andere Informationsquellen, Literaturbereiche und Kulturgebiete um so offener liegen, auf die der Einsprachige weitgehend verzichten muss.)

 

Interessehalber ein Kommentar zum „Gaumen-R“

Das gutturale R kommt, so weit ich weiß, nur in Europa (und im Nahen Osten) vor, und zwar hauptsächlich in Französisch, Deutsch, Alemannisch (zu welcher Sprachgruppe Schweizerdeutsch, Vorarlbergerisch, Elsässisch, Badisch und Schwäbisch gehören), Niederländisch, Flämisch, Dänisch, Hebräisch und teilweise in Arabisch, teilweise auch in Portugiesisch (s.u.), wobei die Aussprache unterschiedlich positioniert ist: irgendwo zwischen Zungenrücken-R und Zungenwurzel-R. In den südschwedischen Mundarten wird dieses R auch gesprochen, sowie in der Mundart von Bergen, Kristiansand und Umgebung in Norwegen. Sonst ist (mit vereinzelten Ausnahmen) die übliche Aussprache das Zungenspitzen-R (wenn auch im Englischen eher frikativ als rollend). Die Sprachforscher berichten, dass die gutturale Aussprache im 16. Jahrhundert in Paris entstand und sich von dort aus v.a. in den höheren Ständen verbreitete. Aber: Wie kam es dazu? Die folgende spekulative Hypothese mag so gut sein wie andere.

 

Wenn ein französischer König einen Sprachfehler hatte, oder auch irgendein Problem mit seiner Zunge (vielleicht hat er sich mal in die Zunge gebissen, oder vielleicht eine seiner Kurtisanen ...), dann hat man sicher seine Aussprache für die feine Sprechart gehalten und sie nachgemacht ...

 

(In Portugiesisch ist es ein wenig kompliziert, denn dort kommen vier unterschiedliche Aussprachen von R vor! Je nach Stellung des R im Wort und nach dem nachfolgenden Buchstaben anders. Im Wort „rural“, zum Beispiel, wird normalerweise das erste R guttural ausgesprochen, aber das zweite als ein Zungenspitzen-R.)

 

In schwedischen Mundarten kommen etwas eigenartige Aussprachen von R vor. In z.B. Norrköping und Västervik ist oft die Aussprache wie W in Englisch und in Stockholm wie ein tönender Sch-Laut.